Ein Glas Rotwein am Abend ist gesund. Woher kommt dieser Glaube, und stimmt er?
Der Ursprung liegt Anfang der 1990er-Jahre. Franzosen aßen viel gesättigtes Fett und hatten trotzdem vergleichsweise wenige Herzinfarkte. Als Erklärung wurde der Rotwein herangezogen, das sogenannte „French Paradox” (Renaud & de Lorgeril, Lancet 1992). Dazu kam später Resveratrol, ein Pflanzenstoff aus der Traubenschale, der in Tierversuchen positive Effekte zeigte.
Das Problem: Die Menge an Resveratrol im Wein ist so gering, dass du für die Dosen aus diesen Versuchen Hunderte Flaschen am Tag trinken müsstest.
Und die Beobachtungsstudien, in denen moderate Trinker gesünder wirkten, hatten einen entscheidenden Fehler. In der Gruppe der Nichttrinker waren viele ehemalige Trinker, die aus gesundheitlichen Gründen aufgehört hatten. Dadurch sahen die Abstinenten kränker aus, als sie es waren. Eine Auswertung von 107 Studien mit über 4,8 Millionen Teilnehmenden fand nach Korrektur dieser Verzerrungen keinen Überlebensvorteil durch moderaten Alkoholkonsum (Zhao et al., JAMA Network Open 2023).
Die WHO stellt klar: Es gibt keine Alkoholmenge, die für die Gesundheit unbedenklich ist. Alkohol ist als krebserregend eingestuft, das Brustkrebsrisiko steigt bereits ab geringen Mengen.
Wenn du Rotwein trinkst, weil er dir schmeckt, ist das deine Entscheidung. Trink ihn nur nicht, weil du glaubst, deinem Herzen etwas Gutes zu tun.
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3 Comments
Welchen Gesundheitsmythos soll ich mir als Nächstes ansehen?
Dankeschön 🙏🍀🌞
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